Henrik Pontoppidan (1857 - 1943)
Laudatio
"fur seine gehaltvolle Darstellung des heutigen danischen Lebens"

Der Preistrager
Der danische Schriftsteller Henrik Pontoppidan wurde am 24. Juli 1857 in Fredericia, Danemark, geboren. Sein Vater war ein radikaler Theologe nach den Grundsatzen des N.F.S. Grundtvig. Die Familie zog nach Randers, das von osterreichischen Truppen besetzt war. Dies hinterlie? einen tiefen Eindruck bei Henrik Pontoppidan und spater verwendete er das Thema Besetzung in seinen Romanen.

Pontoppidan studiertebi 1879 Technik an Kopenhagens "Polytechic Institute" und brach damit die Tradition seiner Familie und Vorvater, die alle Theologen waren. Anschlie?end arbeitete er als Lehrer an einer Volksschule und veroffentlichte 1881 seine erste Sammlung von Kurzgeschichten. Er heiratete Mette Marie Hansen und sturzte sich danach wieder auf das Schreiben. Das Paar reiste nach Deutschland, in die Schweiz und nach Italien nach ihrer Hochzeit und lebte danach fur eine Weile auf dem Land, von wo sie aber 1888 nach Kopenhagen zogen.

Pontoppidan ist der gro?e Realist in der neueren danischen Literatur. Er wendet sich kritisch gegen die Romantik und gegen den Entwicklungsoptimismus des Naturalismus. In drei gro?en Romanen gibt er ein Zeitbild Danemarks zwischen 1880 und 1910: In »Det forjaettede Land« (1891-95; dt.: Das gelobte Land, 1908) schildert er die Isolierung der landlichen Daseinsweise, wie sie sich dem Kulturuberdrussigen darstellt, den Zusammenbruch dieser Vorstellungen, aber auch den Wert des echten Naturgewachsenen. »Lykke-Per« (1898-1904; dt.: Hans im Gluck, 1906), der Roman des danischen Stadtlebens um 1900 zeigt die Bindung des Menschen an Erbe und Milieu und seinen Kampf dagegen. Das Ausbleiben der Liebe in den menschlichen Beziehungen ist das Grundmotiv von »De Dodes Rige« (1912-16; dt.: Totenreich, 1920). Seine wichtigsten kleineren Romane und Novellen sind folgende: »Kirksuden« (1879) und »Orne flugt« (1897; uber die Abhangigkeit vom Milieu), »Isbjornen« (1887; uber die Spannung zwischen Natur und Kultur), »Landsbybilleder« (1883), »Fra Hytterne« (1887), »Skyer« (1890; soziale und politische Probleme), »Nattevagt« (1894; Abrechnung mit dem Naturalismus), »Den gamle Adam« (1895), »Hojsang« (1896), »Den kongelige Gaest« (1908) und »Mands Himmerig« (1927).

Pontoppidans Form ist haufig ironisch. Er liebt es, eine Sache von entgegengesetzten Seiten her zu beleuchten. Pontoppidan war kein Dogmatiker, sondern suchte nach einer dauerhaften personlichen Wahrheit. Der Kirche gegenuber verhielt er - der Pfarrerssohn - sich kritisch. Das Christentum zog ihn abwechselnd an und stie? ihn dann wieder ab. Pontoppidan erhielt 1917 mit Karl Adolph Gjellerup den Nobelpreis fur Literatur. Ab 1928 wohnte er in Charlottenlund, einem Vorort von Kopenhagen, wo er am 21. August 1943 starb.